COVID-19: Patienten haben mit „Low dose“-ASS geringes Komplikations- und Sterberisiko

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Baltimore – Patienten, die wegen kardiometabolischer Erkrankungen bereits vor ihrer Infektion mit SARS-CoV-2 mit Acetylsalicylsäure in einer niedrigen Dosis („Low dose“-ASS) behandelt wurden, hatten in einer Beobachtungsstudie in Anesthesia & Analgesia (2020; DOI: 10.1213/ANE.0000000000005292) einen deutlich milderen Verlauf ihrer COVID-19-Erkrankung.

Bei schweren Verläufen von COVID-19 kommt es häufig zu thrombotischen Komplika­tionen, die nicht selten für den Tod verantwortlich gemacht werden. Viele Zentren behan­deln die Patienten deshalb inzwischen mit Heparin, um eine Hyperkoagulabilität zu ver­­meiden.

Da Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu den wichtigsten Risikofaktoren für einen schweren Verlauf gehören, sind einige Patienten mit „Low dose“-ASS vorbehandelt. Das Mittel wird beispielsweise im Rahmen der Sekundärprävention bei einer koronaren Herzkrankheit eingesetzt. Der Thrombozytenaggregationshemmer hat eine antithrombotische Wirkung, die sich günstig auf den Verlauf von COVID-19 auswirken könnte.

Ein Team um Jonathan Chow von der University of Maryland School of Medicine in Balti­more hat hierzu die Erfahrungen während der ersten Welle von COVID-19 ausgewertet. Bis Juli waren 98 Patienten aufgenommen worden, die mit „Low dose“-ASS (Dosis 81 mg) behandelt wurden. Im Vergleich zu 314 Patienten, die kein ASS erhalten hatten, verlief die Erkrankung weniger schwer.

Patienten mit „Low dose“-ASS mussten seltener mechanisch beatmet werden (35,7 versus 48,4 %), und sie wurden seltener auf die Intensivstation verlegt (38,8 versus 51,0 %). Es kam zwar häufiger etwas zu einem Todesfall in der Klinik (26,5 versus 23,2 %), der Unter­schied war aber statistisch nicht signifikant.

Dabei war die Ausgangslage der Patienten, die „Low dose“-ASS einnahmen, ungünstiger. Sie hatten häufiger einen erhöhten Blutdruck und litten öfter an Diabetes und/oder Herz- oder Nierenkrankheiten (deretwegen sie vielfach mit „Low dose“-ASS behandelt wurden).

Nach Berücksichtigung dieser Risikofaktoren sowie Alter, Geschlecht und ethnischer Herkunft wurde der Vorteil des niedrigdosierten ASS deutlicher. Die Patienten hatten ein um 44 % vermindertes Risiko auf eine mechanische Beatmung (adjustierte Hazard Ratio 0,56; 95-%-Konfidenzintervall 0,37 bis 0,85), sie mussten zu 43 % seltener auf eine Intensiv­station verlegt werden (adjustierte Hazard Ratio 0,57; 0,38 bis 0,85), und auch das Sterberisiko war jetzt um 47 % vermindert (adjustierte Hazard Ratio 0,53; 0,31 bis 0,90). Dabei ging die ASS-Behandlung nicht mit einer erhöhten Rate schwerer Blutungen (6,1 versus 7,6 %) oder klinischer Thrombosen (8,2 versus 8,9 %) einher.